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Lefkadische Stickereien

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Lefkadische Stickerei 

Urlaub hin oder her – auch in dieser angenehmen Zeit des Jahres im „stand by“-Modus verliert sich das Interesse und der Blick auf schöne und ansprechende Textilkunst nicht. Ein Besuch im Volkskunde Museum “Maria Koutsochero”: 1990 wurde das Volkskundemuseum „Maria Koutsochero“ gegründet. Es befindet sich in dem kleinen Bergdorf Kariá auf einer der wunderschönen ionischen Inseln Griechenlands namens Lefkas. Hier gibt es Handstickereien, ausgeführt  in einer der Insel eigentümlichen Technik –  dem „Karsaniki-Stil“ -, zu bewundern.  Berühmt wurden diese lefkadischen Stickereien unter Maria Stavraka  und Argyris Stavraka. Der verwendete Stich ist auch unter dem Begriff „ Stich der Koutsochero“, was soviel wie „Stich der Einhändigen“ bedeutet, bekannt.

Sticken mit einer Hand? Der Beiname „Koutsochero“, den man Maria Stavraka gab, verweist auf eine erstaunliche und ermutigende Geschichte für Menschen mit einem Handicap:

Das Geburtsdatum von Maria Stavraka wird auf dem Informationszettel des Museums zwischen 1860 und 1865 festgelegt. Sicher ist das Todesjahr: 1948. Im Alter von 10 Jahren hatte Maria einen Unfall. Sie fiel von einem Baum und konnte von da an aufgrund fehlender medizinischer Versorgung nur noch die linke Hand benutzen. Sie lernte also mit einer Hand zu sticken. Ihre Motive wie Vögel, Blumen, Blätter und Bäume entnahm sie der Natur. So entwickelte sie ihren ganz eigenen Stil, der als „Karsaniki-Stich“ bezeichnet wird. Die Stickerei wurde ihre Passion. Die exzellente Ausführung ihrer Arbeiten begeisterte auch die griechische Königin Sofia. Eine Schule wurde im Dorf eingerichtet, um den Mädchen und jungen Frauen die Stickerei zu lehren. Heute gibt es leider nur noch wenige ältere Damen, die die Technik des Karsaniki-Stichs beherrschen und die noch sticken.

All diese Informationen erhält der Besucher des kleinen Museums in unterschiedlichen Sprachen – wenn nichts los ist, sogar in einer ganz persönlichen Einzelführung.

Der Eigentümer des Museums Theodoros Katopodis hat sein Elternhaus liebevoll zu einem Museum mit zwei Ebenen eingerichtet. Oben findet man wunderschöne Stickereien von Maria Stavraka/ Koutsochero und Argyris Stavraka sowie ihren Schülerinnen.

Vieles, was im Zusammenhang mit  dem Handwerk des Webens steht, wird dem Besucher auf dieser Ebene präsentiert: Wie wurde der Flachs verarbeitet? Wie wurde der Faden gesponnen? Mit welchen Pflanzen hat man den Faden gefärbt? Wie wurde der Webstuhl eingerichtet? Die Antworten erschließen sich aus Informationstafeln und den Ausstellungsstücken.

Geht man dann über eine Wendeltreppe aus Eisen in die untere Ebene, erschließt sich dem Betrachter ein traditionelles lefkadisches Haus mit interessanten Einrichtungsgegenständen. Diese  wurden z.T. noch bis in die 60er- Jahre des letzten Jahrhunderts verwendet; bis zu dieser Zeit bewohnten die Eltern des Museumsbesitzer noch das Haus, wie uns erzählt wurde.

Nach all den Eindrücken einer vergangenen Epoche mit anderen Zeitvorstellungen katapultiert uns das Angebot einer lefkadischen Spezialität wieder ins heutige Geschehen. Wir bekommen ein Stück Kuchen auf Kosten des Hauses. Vielen Dank- Efcharistó!

Man verlässt das Museum, das mit so viel Liebe und Hochachtung vor dem Lebenswerk der exzellenten Handstickerin Maria Koutsocheros von einer Familie privat betrieben wird, mit der gleichen Anerkennung und Achtung, und – natürlich! – mit einer Stickerei.